GEMEINDERATSWAHL: CSU, SPD/Plus und Freie Wähler mussten auf Ergebnis lange warten / Von Wahl-„Party“ wenig zu spüren

Zurückhaltende Freude bei allen Beteiligten

KREUZWERTHEIM. Wirklich überschäumende Freude sieht anders aus, und sie war auch nicht zu spüren bei den "Wahlpartys" der drei Parteien und Gruppierungen, die sich am Sonntag um die Gunst der Wählerinnen und Wähler und Sitze im neuen Kreuzwertheimer Marktgemeinderat beworben hatten. Das lag zum einen vielleicht daran, dass selbst Stunden nach Schließung der Wahllokale noch kein vorläufiges, amtliches Endergebnis in Sicht war und sich letztlich niemand so richtig sicher sein konnte, ob er oder sie nun den Sprung in den Gemeinderat geschafft hatte.

Alles hing an den Briefwahlstimmen und dort über lange Zeit an einem Stimmzettel, dem nachgeforscht werden musste. Bevor die Briefwahl ausgezählt war, sah es tatsächlich eine Zeitlang nach einer fast "revolutionären" Umwälzung im beschaulichen Kreuzwertheim aus, lagen Freie Wählervereinigung und SPD/Plus doch mit jeweils sechs Sitzen gleichauf, sogar mit einem leichten Stimmenvorsprung für die Sozialdemokraten.

Dagegen wäre die CSU zeitweise nur noch mit vier Gemeinderätinnen und Gemeinderäten im Gremium vertreten gewesen. Später änderte sich das dann, und mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern konnten die Christsozialen feststellen, dass das neue Sitzzuteilungsverfahren, das dieses Mal angewendet wurde, tatsächlich die "Kleineren" bevorzugt.

Zumindest inoffiziell waren die sozialdemokratischen Bewerberinnen und Bewerber am Sonntagabend am besten informiert und das lag am Informatikstudenten Florian Schmidt und seinem Computer.

In diesem erfasste er die im Rathaus eingehenden Stimmenzahlen und rechnete sie dann gleich in Sitze um. So konnte sein Vater, der bisherige Dritte Bürgermeister Andreas Schmidt, als er dann in der Pizzeria "Ragusa" eintraf, wo sich die Kandidaten und Freunde von SPD/Plus versammelt hatten, zumindest greifbare, wenn auch nicht-amtliche Informationen mitteilen.

Der "Kloß sitzt mir noch im Magen", sagte in einer ersten Reaktion auf das wahrscheinliche Gemeinderatsergebnis die gescheiterte Bürgermeisterkandidatin, erfolgreiche Listenführerin und stellvertretende SPD-Ortsvereinsvorsitzende Silvia Klee. Wenn auch noch immer etwas von Enttäuschung angegriffen, bekundete sie unter Beifall dann aber doch, man könne "stolz sein auf das, was wir geleistet haben". Ab Montag werde wieder gearbeitet, denn "nach der Wahl ist vor der Wahl". Sie wünsche sich, "dass wir weiter zusammenarbeiten, auch wenn ihr jetzt nicht in den Gemeinderat gekommen seid", richtete Klee sich an die erfolglosen Bewerberinnen und Bewerber. Danach wurde zum Telefon gegriffen und den beiden neuen Mandatsträgern, Doris Szabo und Jo Krimm, mitgeteilt, dass sie es geschafft hatten.

"Gefasst" und letzten Endes zufrieden, so könnte man die Stimmung nur wenige Meter entfernt im Schützenhaus beschreiben, wo die CSU zusammensaß. Gefasst waren die, die sich Hoffnungen gemacht, es aber dann doch nicht geschafft hatten. Zufrieden waren die beiden Stimmenkönige, der bisherige Fraktionsvorsitzende Günter Kohrmann, und die Ortsverbandsvorsitzende Isolde Franz.

Man habe "immer gehofft, wir behalten unsere fünf Sitze", und nachdem das erreicht wurde, sei man "unter den Rahmenbedingungen zufrieden", sagte Kohrmann. Zu den Rahmenbedingungen gehörte, dass nur zwei amtierende Gemeinderäte wieder zur Verfügung standen und man mit vielen jungen, noch nicht so bekannten Kandidatinnen und Kandidaten angetreten sei.

Für Isolde Franz stand fest: "Wir haben unsere Wahlziele erreicht." Denn dazu gehörte natürlich auch der Erfolg des von CSU und Freien Wählern gemeinsam unterstützten Bürgermeisterkandidaten Klaus Thoma.

"Wir haben unsere Wahlziele erreicht", das stellten bei der Freien Wählervereinigung ebenso Frank Theobald und Margarete Glowienka fest. "Wir wollten, dass Klaus Thoma Bürgermeister wird, und wir wollten mindestens sechs Sitze." Ehe man sich über das Erreichen des zweiten Teils allerdings freuen konnte, musste man rein "ergebnistechnisch" erst einmal auf den aktuellen Stand gebracht werden, denn zu den in der "Bürgerstube" in Unterwittbach zusammensitzenden Freien Wählern, zu denen sich auch der künftige Bürgermeister Klaus Thoma und seine Frau Verena gesellt hatten, waren die nicht-amtlichen Zahlen der Briefwahl bis dahin noch nicht vorgedrungen.

Es sei von vorneherein klar gewesen, dass die Bürgermeisterkandidatur von Silvia Klee viele Stimmen zur SPD/Plus-Liste ziehen würde, kommentierte Glowienka. Man wolle nun, warfen sie und Theobald einen ersten Blick in die Zukunft, die Dinge anpacken, die man im Wahlkampf angesprochen habe. Ganz oben auf der Liste stehe dabei das Thema "Bürgerbus", denn das umzusetzen werde wahrscheinlich eine Weile dauern. "Ich glaube, da sind wir jetzt noch nicht soweit, das müssen wir erst innerhalb unserer Gemeinderäte besprechen", hieß es von offizieller Seite bei den Freien Wählern über eine mögliche Besetzung der Position des oder der Zweiten Bürgermeisters beziehungsweise der Bürgermeisterin.

Elmar Kellner für die Fränkischen Nachrichten

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