PODIUMSDISKUSSION IN DER DRESCHHALLE AM 31.01.2014

FN-WEB

BÜRGERMEISTERWAHL: Kandidaten Silvia Klee und Klaus Thoma standen den Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort

Eine faire Frage- und Antwortrunde

KREUZWERTHEIM. Es dauerte knapp zwei Stunden, war informativ, streckenweise unterhaltsam, fast immer fair und endete wohl mit einem Unentschieden: In der Dreschhalle trafen am Freitagabend bei einem Podiumsgespräch, veranstaltet von der Ortsgruppe Kreuzwertheim des Bund Naturschutz, die Bürgermeisterkandidaten Silvia Klee und Klaus Thoma zum ersten und wahrscheinlich einzigen Mal vor der Wahl am 16. März aufeinander (siehe auch weiteren Bericht). Rund 150 Interessierte wollten hören, wie sich die Bewerber um die Nachfolge von Horst Fuhrmann die Zukunft der Marktgemeinde vorstellen. Entgegen einiger anderslautender Befürchtungen im Vorfeld entwickelte sich eine lebhafte Frage- und Antwortrunde.

Zum letzten Mal hatte eine Veranstaltung dieser Art vor 18 Jahren stattgefunden, als Fuhrmann, Gerd Kipf und Philipp Dinkel Bürgermeister werden wollten. Daran und an die Themen, die seinerzeit im Mittelpunkt standen, erinnerte der Bund-Ortsgruppenvorsitzende Georg Wolpert, der wie auch schon damals moderiert hatte. Er tat dies diesmal mit einer Prise Humor, stets sachlich und - auch wenn er bei manchen Punkten mit seiner eigenen Meinung nicht hinter dem Berg hielt - ausgewogen und erfolgreich bemüht, beiden Kandidaten gleichermaßen gerecht zu werden.

Die erste Frage ist wohl immer die schwerste. Das Eis brach Helmut Wießmeier, der Silvia Klee und Klaus Thoma bescheinigte, in ihren jeweiligen Präsentationen "das Beste gegeben" zu haben. Nur "wie wollen sie das alles finanzieren", wollte er wissen. Immerhin sei Fuhrmann stolz darauf, dass die Gemeinde ab Mitte 2014 schuldenfrei dastehe.

"Dringend, notwendig und wünschenswert", in diese Kategorien wolle er die Projekte einteilen und in der Reihenfolge angehen, so Thoma. "Dringende Aufgaben gehen immer vor." Was nicht zu finanzieren sei, müsse verschoben werden. "Für Wünschenswertes ein Darlehen aufzunehmen, kommt nicht infrage. Auch brauche die Realisierung vieler Punkte kein Geld.

Augenschein bewiesen

Silvia Klee nahm für sich und den Gemeinderat in Anspruch, "Augenmaß bewiesen zu haben. Genauso müssen wir weitermachen". Gleichzeitig gelte aber auch, "Stillstand ist Rückschritt". Außerdem habe man "einen wunderbaren Kämmerer". Es sei "gut, wenn man selbst weiß, wie es geht", warf Thoma ein, der zuvor auf seine Erfahrungen als Finanzverantwortlicher einer Gemeinde verwiesen hatte.

Das nahm aber Klee ebenfalls für sich in Anspruch. "Wir sind zu Hause auch schuldenfrei", informierte sie und ergänzte mit einem Augenzwinkern, "da mache ich die Haushaltsführung".

Die Kinderbetreuung, vor allem in den Randzeiten, und der öffentliche Personennahverkehr wurden weiter vom Publikum angesprochen wurden. Die Kandidaten machten deutlich, dass sie zwar einzelne Ideen haben, über die ideale Lösung aber nicht verfügen. Von den Visionen führte Manfred Schneider wieder zurück zu den Problemen der Gegenwart. Dazu zählte für ihn die akute Verkehrsproblematik im Kaffelsteinweg, in der Hauptstraße und in der Oberen Pfarrgasse.

Die Hauptstraße, verwies Thoma auf die Rechtslage, sei eine Kreisstraße. "Hier können wir nichts machen, ohne dass es mit dem Kreis abgesprochen ist." Werde sie saniert, "das muss man den Bürgerinnen und Bürgern sagen, werden sie zur Kasse gebeten". Mache man aus der Oberen Pfarrgasse, laut Schneider eine "innerörtliche Umgehungsstraße", eine Einbahnstraße, bestehe die Gefahr, die Problematik in andere Bereiche zu verlegen. Skeptisch zeigte sich der Kandidat hinsichtlich einer eigenen Verkehrsüberwachung. Das könne man sich als kleine Gemeinde eher nicht leisten. Für den Kaffelsteinweg werde sie in der Gemeinderatssitzung am Dienstag "einen Stickel beantragen", kündigte Klee an. Dann sei die Straße nur aus einer Richtung zu befahren.

Verkehrsüberwachung

Schneider widersprach Thoma bei der Finanzierung der Verkehrsüberwachung. Diese trage sich selbst, meinte er. "Die Überwachung des ruhenden Verkehrs ist ein Zuschussgeschäft", so Thoma. Er warnte davor, zusätzliches Personal einzustellen. Im Kaffelsteinweg "würde ich mich eher für eine Schwelle aussprechen, als für einen Stickel".

Vehement setzte sich Silvia Klee gegen den Vorwurf an die Kommunalpolitiker zur Wehr, man habe nicht genug gegen die Schließung der Hauptschule getan. Man habe sich abgestrampelt, aber keine Chance gehabt, machte sie geltend. "Ein bisschen habe ich auch die Unterstützung der Eltern vermisst." Wegen der fehlenden finanziellen Unterstützung für Fahrten zu der Mittelschule gleichgestellten Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg verwies Thoma auf die Sprengelpflicht als geltendes Recht in Bayern: "Der Gemeinderat hat hier nicht nach Lust und Laune entschieden, es ist das Gesetz.".

Auch in Sachen der geplanten Tankstelle auf dem Gelände eines Autohauses waren sich die Kandidaten im Prinzip einig, dass der Gemeinderat das Projekt zwar abgelehnt, es aber keinen Spielraum gegeben habe, das Vorhaben letztlich zu verhindern. Von einem Bürgermeister, der wieder einen kleinen Laden nach Kreuzwertheim bringt, träumte Gusti Kirchhoff. Horst Fuhrmann habe hier ungezählte Anläufe unternommen, erinnerte Thoma. Ein Dorfladenprojekt in Hasloch sei mangels Interesse gescheitert. "Das ist zwar wünschenswert", so Silvia Klee zu dem Ansinnen, "aber ich glaube, das infrage kommende Geschäft steht schon zu lange leer. Die Menschen haben sich umorientiert".

Nicht orientieren wollen sich die beiden Kandidaten nach Baden-Württemberg. Kooperationen und Zusammenarbeit mit Wertheim wurden befürwortet. Aber zum Ansinnen von Richard Martin, ein Ortsteil der benachbarten Großen Kreisstadt zu werden, erwiderte Silvia Klee lachend: "Helau, Herr Martin!" Und Klaus Thoma erklärte schmunzelnd: "Dertingen will nach Bayern. Wie soll das denn dann gehen?" 

WAHL DES BÜRGERMEISTERS: Bewerber stellten sich und ihre Vorhaben den Wählern vor

Kandidaten wollen mit ihren Programmen die Wähler überzeugen

KREUZWERTHEIM. Sie haben das gleiche Ziel, das aber nur einer von ihnen erreichen kann: Silvia Klee will Bürgermeisterin, Klaus Thoma Bürgermeister von Kreuzwertheim werden. Am Freitag stellten sie sich und ihr jeweiliges Programm in einem Podiumsgespräch des BUND Naturschutz in der Dreschhalle vor und diskutierten mit rund 150 Interessierten (siehe weiteren Bericht).

Per Münzwurf durch den Moderator des Abends, den Vorsitzenden der Ortsgruppe Kreuzwertheim des Bund Naturschutz, Georg Wolpert, wurde Silvia Klee als erste Rednerin ausgelost.

Für sie stellt ihre Kandidatur die Konsequenz aus ihrer kommunalpolitischen Tätigkeit in den vergangenen zwölf Jahren, aus gelebter und erworbener Kompetenz dar. Nach einer Schilderung ihres persönlichen und beruflichen Werdeganges sagte Klee, sie wolle "das Haus, in dem ich lebe, selbst planen und gestalten".

Für die Fraktion von SPDPlus im Gemeinderat, deren Vorsitzende sie seit knapp sechs Jahren ist, zog die Bürgermeisterkandidatin eine stolze Erfolgsbilanz: "Kreuzwertheim ist eine blühende Gemeinde, die in diesem Jahr schuldenfrei sein wird." So werde man die anstehenden hohen Investitionskosten zunächst ohne neue Kredite bewältigen können. "Wir sind auf dem richtigen Weg, das führe ich mit ihrer Hilfe fort."

Klee kündigte eine schnelle und transparente Informationspolitik an. Sie wolle sich für eine Mitmachmentalität einsetzen. Ein Ausbau der Kinderbetreuung, finanzielle Unterstützung für ein gesundes Mittagessen, bedarfsgerechte Freizeitangebote, familiengerechtes Bauen und Wohnen waren weitere Punkte auf ihrer Agenda. Den Aufbau einer eigenen Bücherei in Kreuzwertheim sah sie nicht als sinnvoll an. Lieber solle man dafür sorgen, dass die Einrichtung in Röttbach von allen genutzt werden könne.

Als eine wichtige Aufgabe bezeichnete die Rednerin die Sanierung von Straßen und Wegen. Hier bestehe großer Investitionsbedarf. "Immer nur flicken hilft nicht." Sie sprach sich dafür aus, eine Bestandsaufnahme zu machen und anschließend nach Dringlichkeit vorzugehen. Nicht hinnehmen könne man, dass die Sanierung der alten Mainbrücke erst für die Zeit um 2025 vorgesehen sei, hänge davon doch die Neugestaltung der Hauptstraße ab.

Auch Klaus Thoma begann seine Vorstellung mit Informationen zu seiner Person, seiner Familie und seinem beruflichen Werdegang. Wie seine Vorrednerin hatte er seine Ziele in verschiedene Kapitel unterteilt. Thoma sprach sich für "eine Aktivierung der Bürgergesellschaft" aus, will Zukunftswerkstatt und Dorfkonferenzen zu Mitteln der Politik machen. Mehr Bürgerbeteiligung möchte er auch im Gemeinderat ermöglichen, etwa durch Etablierung einer Bürgerfragestunde am Ende der Sitzungen.

Für den dringend benötigten Zuzug junger Familien nach Kreuzwertheim sei ein "wirklich gutes Betreuungsangebot" wichtig. Eine Ausweitung des "Kinderbonus" beim Baulanderwerb oder die Schaffung eines Familienpasses schlug er vor. Und man müsse darüber nachdenken, ob man nicht zumindest teilweise den Kindergartenbesuch beitragsfrei stelle. Spiel- und Freiräume müssten wieder stärker an den Bedarf von Kindern und Jugendlichen angepasst werden, lautete eine weitere Forderung. "Wir werden weniger und wir werden älter. Das müssen wir endlich akzeptieren", so der Kandidat, der dann seine Vorstellungen zu einer Politik für Senioren erläuterte.

Um den Tourismus zu stärken, für den er ein Gesamtkonzept forderte, regte er unter anderem thematische Rundwanderwege um den Ort sowie einen historischen Ortsrundgang an. Ein effektives Leerstandsmanagement, wie es von seiner Mitbewerberin ins Gespräch gebracht worden war, nutze nur etwas, wenn man wisse, was man damit machen wolle. Innerortsentwicklung, Ortsteilstärkung sowie Wirtschaftsförderung lauteten weitere Stichworte Thomas. Er wolle, begründete er seine Kandidatur, etwas für die Menschen tun und sei begeistert von der Möglichkeit, etwas für diese zu erreichen. 

Für die Fränkischen Nachrichten - Elmar Kellner

 

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