Mundartabend im Wandahaus
24. April 2015

Unter dem Motto »Kreüzemer Owend - E bissle gvespert, gsunge, gered, werst sehe, wie die Zeit vergeht« hatte der SPD-Ortsverein Kreuzwertheim am Samstagabend gemeinsam mit der SPD-Plus Gemeinderatsfraktion einen Mundartabend mit Gesang und Textvorträgen im Fürstin-Wanda-Haus veranstaltet.
Zu den Traditionen gehört unter anderem der wohl allgemeingültige Merksatz »Wo gesungen wird, da lass dich nieder«. Im gut gefüllten Saal sorgten zunächst Moderator Gerd Flick mit ein paar kurzen Beiträgen und anschließend der gebürtige Rothenbuchener Jo Krimm am Akkordeon für gute Stimmung.
»Inzwischen bin ich lange genug hier und der Kreuzwertheimer Dialekt muss für mich nicht mehr simultan übersetzt werden«, scherzte der Sänger. Kurzweilige Vorträge im Wechsel mit lustigen und allseits bekannten Liedern ließen den bunten Abend wie im Flug vergehen.
Dazu wurde aus der Küche eine Auswahl kleiner und deftiger, kalter Speisen und Getränke gereicht. Nach dem erfolgreichen Start könnte es durchaus eine Fortsetzung mit Liedern des Mundartdichters Peter Hofmann geben. Lokalmatador Julius Wolpert trug das von einem eskalierenden Ehestreit handelnde Stück »Die Mugge« von Friedrich Lotz vor. Der Text ist Teil einer Sammlung, die auch in Buchform erhältlich ist.
Skurrile Geschichten
Dass sich die Leute von jeher skurrile Geschichten erzählten, davon zeugte ein Beitrag von Flick. Dieser handelte von einem Mann, der gerade von einem Friseur rasiert wurde und dessen Hose ebenso wie die Unterhose just an der Stelle ein Loch hatten, an der sich auch im Stuhl, auf dem er saß, ein Loch befand.
Ganz zur Freude der Katze, die sich darunter mit ausgefahrenen Krallen an dem unerwarteten »Spielzeug« zu schaffen machte. Lore Pochert unterhielt die Zuhörer mit »Guck emol, wie der guckt«, einem Schlagabtausch zwischen Mann und Frau zum 18 Jahre lang gezahlten Taschengeld für Kuckuckskind Fritz und später mit ihren Erinnerungen an der »Badespaß im Moa«.
Früher habe man mit Freude im Fluss gebadet und heute denke die Jugend bloß noch an »Händies, Eipotts und Lapptops«. Auch Lina Bundschuh erinnerte in ihrem Beitrag vom Sauschlachten an die »guten, alten Zeiten« und Margit Tschöp freute sich in »Gadde-Idyll« fast schon diebisch über ihre Hinterlist, einem heimlichen Scheißer am Gartenzaun die Nordurft mit der Schippe geklaut zu haben.
Überraschend viele »Auswärtige« trauten sich ans Mikrofon. So gab beispielsweise Harald Hilbig, der von Flick als »Schulmeister im Ruhestand« angekündigt wurde, zwei selbst getextete Liedchen in »Kreüzemer« Mundart zum Besten.
Seinen Song «Ja, soach emol, geid so wos aa« spickte er in Gitarrenbegleitung mit allerlei lokalen Besonderheiten. Von der gegenüberliegenden Mainseite kommend, galt Hilbig anfangs als »Flüchtling« und wurde mit Fragen wie »Wem gehörscht dann du?« auf seine Heimattauglichkeit abgeklopft.
Ähnlich erging es vor nunmehr 25 Jahren Hubert Remelé und seiner Frau, die nach Wiebelbach gezogen waren. Der gebürtige Berliner, dem zu seinem Geburtstag von den Anwesenden ein Ständchen gesungen wurde, fühlt sich inzwischen bestens akzeptiert.
Kurzes Gedicht
Spontan trat er nach vorn und trug ein kurzes, politisches Gedicht zum kleinen, aber feinen Unterschied des weichen und harten »frängischen d’s« vor, mit der Erkenntnis, dass man mit »Mao Zedung« keine Felder düngen kann. »Am Anfang hatte ich manchmal noch Verständnisprobleme, aber die habe ich zum Glück schnell abgelegt«, scherzte der 66-Jährige.
Den Abschluss der Veranstaltung am Samstag bildeten das Frankenlied und die Kreuzwertheimer Hymne, das Quätschichlied mit Jo Krimm.

Jo Krimm am Akkordeon sorgte beim Kreuzwertheimer Mundartabend für gute Stimmung

 

Foto: SPD

Zwei Originale: Gerd Flick führte durch den Abend - Lina Bundschuh erinnert an den Schlachttag

Foto: SPD

Silvia Klee und Andreas Schmidt bedanken sich bei den Akteuren

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