FREIWILLIGER ABSCHIED: Engelbert Jeßberger nicht mehr im Gremium

Nach 42 Jahren endet eine kommunalpolitische Ära

KREUZWERTHEIM/RÖTTBACH.

Mit dem freiwilligen Ausscheiden von Engelbert Jeßberger aus dem Gemeinderat in Kreuzwertheim geht eine kommunalpolitische Ära mit historischer Bedeutung zu Ende. Sind 42 Jahre aktive Kommunalpolitik allein schon rekordverdächtig, so wird die Tatsache, dass der zuletzt amtierende Bürgermeister der einst selbstständigen Gemeinde Röttbach in den politischen Ruhestand tritt, in die örtliche Geschichte eingehen.

Im Jahre 1972 fanden in Röttbach letztmals eigene Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen statt. Die Gemeinde-Gebietsreform in Bayern, wodurch die Eingemeindung von Röttbach in den Markt Kreuzwertheim erfolgte, wurde 1978 abgeschlossen.Das Besondere der Wahl 1972 war, dass damals der gesamte Gemeinderat und auch der Bürgermeister - die sogenannten "alten Herren" - nicht mehr zur Wiederwahl antraten. Dies erschwerte natürlich die Arbeit des neuen Gemeinderates, alles "jüngere Herren".

Die Röttbacher waren schon immer stolz auf ihren Waldreichtum, der auch die größte Einnahmequelle darstellte. Kaum einer konnte sich vorstellen, zu Kreuzwertheim zu gehören, was auch konfessionelle Gründe hatte. Außerdem war die Gemeinde 1972 praktisch schuldenfrei. Dies änderte sich jedoch schlagartig, als die Turnhalle im Jahr 1975 gebaut und der Schuldenstand "angepasst" wurde.

Das Gesetz der Gemeindereform sah vor, dass "freiwillige" Eingemeindungen mit Staatsprämien "versüßt" wurden. Für Röttbach standen rund 110 000 D-Mark "auf dem Spiel".

Der letzte Gemeinderat hielt sich bei seiner Entscheidung an die Abstimmung seiner Bürger. Mit 96:91 Stimmen fiel das Bürgerbegehren für eine freiwillige Eingemeindung allerdings denkbar knapp aus. Die Prämie von 110 000 D-Mark wurde für den Bau eines neuen Sportplatzes eingesetzt.

Rückblickend kann festgehalten werden, dass die Eingemeindung von Röttbach nach Kreuzwertheim vor 36 Jahren richtig und sinnvoll war, auch wenn das ehrenamtliche Engagement der Bürger für ihre Gemeinde nachgelassen hat. Röttbach war immer mit mindestens drei Räten im Gremium vertreten, ihre Stimme wurde beachtet.

Engelbert Jeßberger war die ganzen Jahre ein engagiertes Ratsmitglied und hat mit vielen sachkundigen Beiträgen die Arbeit des Gemeinderates beeinflusst. Zu seiner Ehre kann festgestellt werden, dass er stets nach der Devise "Gemeinwohl geht vor Eigennutz" gehandelt hat.


Engelbert Jeßberger vertrat als aktiver Kommunalpolitiker 42 Jahre lang auch die Interessen seiner Heimatgemeinde Röttbach.

Foto Kellner FN

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